HanauErhören 18. bis 22. September 2006
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Unser Gehör

Unser Gehör – ein niemals schlafender Hochleistungssportler

"Das Auge bringt den Menschen in die Welt, das Ohr die Welt in den Menschen."
Eindrucksvoller lässt sich kaum formulieren, wie sehr die Sinneswahrnehmung Hören unser ganzes Denken prägt. Vogelgezwitscher, Musik, Gespräche – die Welt ist voller Geräusche. Diese akustischen Informationen nehmen wir über die Ohren auf und werten sie mit dem Gehirn aus. Unser Gehör schläft nicht und besticht mit seiner unglaublichen Leistungsfähigkeit: Seine Empfindlichkeit ist so hoch, dass nur noch wenig fehlt, um fast schon das „Gras wachsen zu hören“. Bereits eine geringe Steigerung der Empfindlichkeit würde genügen, um selbst den Aufprall der Luftmoleküle auf dem Trommelfell als Rauschen wahrzunehmen!
Das Ohr im Querschnitt
Das Hören selbst ist ein komplizierter Vorgang. Es gibt Forschern immer noch Rätsel auf! Bevor wir ein Geräusch überhaupt wahrnehmen, wird der Schall in der Ohrmuschel gesammelt. Von dort gelangen die Wellen in den Gehörgang weiter bis zum Trommelfell. Diese Grenzfläche zum Mittelohr wird dadurch in Schwingungen versetzt. Hinter dem Trommelfell sitzen die drei winzigen Gehörknöchelchen: Hammer, Amboss und Steigbügel. Der Hammer tastet die Schwingungen ab, der Amboss leitet sie weiter und der Steigbügel überträgt sie ins Innenohr. Dadurch wird der Schall um das 20-fache verstärkt. Gefährlich laute Töne können auch abgeschwächt werden.
Nächste Station ist die Gehörschnecke im Innenohr. Sie ähnelt einem Labyrinth und ist voller Flüssigkeit. Der Steigbügel presst diese Flüssigkeit zusammen. Dadurch breitet sich eine Wanderwelle in der Schnecke aus, die die Basilarmembran und alle mit ihr verbundenen Haarzellen erregt. Der Schall wird nun in einen Nervenimpuls umgewandelt und an den Gehörnerv weitergeleitet.
Damit ist das Ziel, das Hörzentrum des Hirns, beinahe erreicht. Denn der Gehörnerv ist eine Art Datenautobahn in unsere Denkzentrale. Dort wird das Geräusch registriert, bewertet und mit bekannten akustischen Muster verglichen – wir entscheiden daraufhin beispielsweise, ob eine Stimme angenehm ist, ob sie mitreißend, traurig oder fröhlich klingt.
Wo klingelt das Telefon?
Das Gehirn ermittelt auch, wo die Schallquelle ist, es hört räumlich. Klingelt das Telefon rechts von uns, erreicht der Schall an dieser Seite das Ohr zuerst. Anhand des kleinen Zeitunterschieds erkennt das Gehirn, was von rechts und links, aber auch was von vorne oder hinten kommt.
Mit diesem „Trick“ ist es auch möglich, auf einer lauten Party die Umgebungsgeräusche wegzufiltern und genau das zu verstehen, was unser Tischnachbar gerade erzählt. Auch deshalb raten Hörakustiker in der Regel davon ab, bei beidseitiger Hörminderung nur ein Hörgerät zu tragen.

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