HanauErhören 18. bis 22. September 2006
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Tinnitus

Der Verlust der Stille: Tinnitus
Rund 3 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Tinnitus, bei vielen von ihnen sind die Ohrgeräusche chronisch. Manche Menschen können ganz gut mit “ihrem” Tinnitus leben. Für 1,5 Millionen Betroffene ist er jedoch eine mittelschwere bis unerträgliche Beeinträchtigung. Aber: Es gibt therapeutische Hilfe, von medikamentöser Behandlung über Entspannungsübungen bis hin zur so genannten Tinnitus-Retraining-Therapie. Und: zahlreiche Tinnitus-Patienten sind zugleich schwerhörig. Hier helfen Hörgeräte - gegen die Schwerhörigkeit und gegen die Ohrgeräusche.

“Nur meine Ohren, die sausen und brausen Tag und Nacht fort, ich kann sagen, ich bringe mein Leben elend zu.” So klagte Ludwig van Beethoven sein Tinnitus-Leid. Beethoven, die Komponisten Bedrich Smetana und Robert Schumann, der Kirchenreformer Martin Luther und der Maler Vincent van Gogh: sie alle wurden von Ohrgeräuschen geplagt. Auch heute ist Tinnitus für viele Menschen eine schwere Belastung. Im Gegensatz zu früher kann man aber sehr viel mehr dagegen tun.
Tinnitus
Was ist Tinnitus?
Das Wort Tinnitus aurium bedeutet ‚das Klingeln des Ohres’. Menschen mit Tinnitus hören ein Pfeifen oder Brummen, ein Rauschen, Zischen oder Pochen. Diese Geräusche sind rein subjektiv, das heißt auf keine Schallereignisse in der Außenwelt zurückzuführen. Solcher Lärm im Ohr tritt vorübergehend auf oder wird chronisch. Seine Ursachen sind vielfältig: medizinisch-organische Erkrankungen, Lärmbelastungen, Stress, ein Hörsturz, Hörminderungen. Wer Ohrgeräusche hört und sie in der darauf folgenden Nacht nicht verliert, sollte umgehend einen HNO-Arzt aufsuchen. Dieser kann akuten Tinnitus oft erfolgreich behandeln. Aber selbst wenn das Geräusch im Ohr chronisch wird: Viele Menschen können mit ihm leben. Das ist jedoch längst nicht allen möglich – und dann wird der Tinnitus quälend; Konzentrations- und Einschlafstörungen, Reizbarkeit, depressive Phasen, eingeschränkte soziale Kontakte und Angststörungen können die Folge sein.
Wie kann man Tinnitus behandeln?
Es gibt ein ganzes Spektrum an Therapie-Möglichkeiten: Medikamentöse Behandlungen gehören dazu, ebenso körperliche Bewegung, psychotherapeutische Hilfe und Akupunktur, außerdem Entspannungsübungen, autogenes Training oder die Tinnitus-Retraining-Therapie; diese versucht, mittels Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsveränderungen den Tinnitus quasi zu entmachten.
Tinnitus und Schwerhörigkeit
Wer Tinnitus hat und gleichzeitig nicht mehr gut hört – das ist bei über 50 Prozent der Tinnitus-Patienten der Fall –, sollte Hörgeräte tragen. Mit ihnen hört man nicht nur wieder besser, sie lindern auch das Leiden am Ohrgeräusch. Denn weil mit Hörgeräten wieder mehr Umweltgeräusche gehört werden, tritt der Tinnitus in den Hintergrund. Konsequenz: Man bemerkt ihn gar nicht mehr oder nicht mehr so sehr. Der Hörgeräteakustiker stellt die Hörgeräte so ein, dass sie die Hörschwäche optimal ausgleichen – und er kann diese Einstellungen auch auf die Verdeckung des individuellen Tinnitus hin vornehmen.
Weitere Infos:
Mehr zu diesem Thema erfahren Sie bei unserem Vortrag am Dienstag im Congress Park Hanau.
Helmut Lebisch, Leiter der Audiologie Detmold, referiert zu: Tinnitus – Aufklärung und Bewältigung aus psychaudiologischer Sicht.

Tinnitus – spezielle Retraining-Therapie kann helfen!
In Deutschland leiden rund drei Millionen Menschen unter Tinnitus. Jährlich erkranken laut einer Befragung der Deutschen Tinnitus-Liga rund 340.000 Menschen neu an chronischem Tinnitus. Sehr oft wird zusätzlich eine verminderte Hörfähigkeit festgestellt. Werden Hörgeräte eingepasst, treten die Ohrgeräusche häufig in den Hintergrund. Durch die wieder vollständig wahrgenommenen Außengeräusche gelingt es vielen Menschen, den Tinnitus zu überhören.
Wird damit keine Besserung erreicht, kann die Tinnitus-Retraining-Therapie vielen Menschen helfen. Ein fachkompetentes Team findet sich dafür zusammen: Ihr Akustiker kooperiert intensiv mit Ihrem HNO-Arzt sowie mit Psychologen, Physiotherapeuten und natürlich mit Ihnen. Beim Retraining lernen Sie unter anderem, Aufmerksamkeit und Wahrnehmung zu lenken. Auch hierbei ist es das Ziel, den Tinnitus zu überhören und dadurch leichter erträglich zu machen. Wichtiger Bestandteil der Retraining-Therapie sind Tinnitus-Geräte, die das störende Geräusch überlagern. Dabei wird ein Ton erzeugt, der als angenehm empfunden wird. Die Anpassung wird dabei ganz auf den individuellen Bedarf ausgerichtet. Wichtig: Das Ohr bleibt offen, das gewohnte Hörvermögen wird nicht beeinträchtigt.
Zuschuss von der Krankenkasse
Diese Tinnitus-Geräte lassen sich mit Hörgeräten kombinieren, sind aber auch unabhängig von ihnen verwendbar. Wenn der HNO-Arzt diese Hörhilfen verordnet, erhalten Sie von Ihrer Krankenkasse einen Zuschuss.

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