HanauErhören 18. bis 22. September 2006
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Hörschäden

Man unterscheidet zwischen der Schallleitungs-Schwerhörigkeit und der Schallempfindungs-Schwerhörigkeit.
Schallleitungs-Schwerhörigkeit
Bei der Schallleitungsschwerhörigkeit liegt die Ursache in einer Erkrankung des äußeren Gehörgangs oder des Mittelohrs. Dies kann durch Ohrschmalzpfropfen oder Fremdkörper im Gehörgang hervorgerufen werden. Auch eine akute Mittelohrentzündung führt häufig zu einer vorübergehenden Schallleitungsschwerhörigkeit. Weitere mögliche Ursachen sind Entzündungen des Gehörgangs oder dort auftretende Knochenwucherungen. Ein verletztes Trommelfell kann ebenfalls der Auslöser einer Schallleitungsschwerhörigkeit sein, ebenso wie Knochenveränderungen und Tumore im Bereich des Mittelohrs. Schallleitungsschwerhörigkeit lässt sich in vielen Fällen mit Medikamenten oder durch einen operativen Eingriff verbessern oder beseitigen.
Zahlen und Fakten

Alter
(in Jahren)
Anteil hörgeminderter Menschen
(in Prozent)
14 - 19 1
20 - 29 2
30 - 39 5
40 - 49 6
50 - 59 25
60 - 69 37
70 und älter 54

19 Prozent der Bundesbürger ab 14 Jahren (ohne Altersbegrenzung nach oben) haben eine Hörminderung. Zählt man die bundesweit etwa 500.000 hörgeschädigten Kinder hinzu, gibt es rund 14 Millionen hörgeschädigte Menschen in Deutschland!
Schallempfindungs-Schwerhörigkeit
Die Schallempfindungsschwerhörigkeit – auch Innenohrschwerhörigkeit genannt – tritt viel häufiger auf als die Schallleitungs-Schwerhörigkeit. Bei dieser Hörschädigung sind meist die feinen Haarzellen in der Hörschnecke betroffen. Hervorgerufen werden kann die Innenohrschwerhörigkeit beispielsweise durch zu viel Lärm, Medikamente (z. B. Antibiotika, die selektiv im Innenohr gespeichert werden) oder Gifte. Weitere mögliche Ursachen sind Durchblutungsstörungen oder Entzündungen im Innenohr sowie Immunerkrankungen.
Auch der Hörsturz führt zur Innenohrschwerhörigkeit. Es handelt sich dabei um eine plötzlich auftretende, meist einseitige Hörstörung. Diese Störung kann fast bis zur Taubheit gehen, die Ursachen sind bislang ungeklärt. Bei einem Hörsturz sollte innerhalb von 24 Stunden ein Arzt aufgesucht werden, weil sonst das Gehör dauerhaft geschädigt bleibt.
Schwerhörigkeit im Alter
Die Schwerhörigkeit im Alter ist wahrscheinlich vor allem eine so genannte Zivilisationskrankheit. So können Angehörige von Naturvölkern mit siebzig Jahren noch genauso gut hören wie dreißigjährige Städter. Der Alterungsprozess des Gehörs ist wahrscheinlich das Ergebnis aller schädlichen Einflüsse (Geräuschbelastungen, Erkrankungen und Medikamente) während des ganzen Lebens. Dazu kommt, dass das Gehirn in jungen Jahren gut in der Lage ist, unvollständig verstandene Texte zu entschlüsseln. Mit zunehmendem Alter jedoch lässt diese Fähigkeit des Gehirns nach. Lückentexte werden kaum noch verstanden.
Schallempfindungsschwerhörigkeit kann in der Regel nicht mit Medikamenten oder Operationen behoben werden. Der Hörschaden kann aber mit Hörgeräten ausgeglichen werden.

Hörschäden bei Kindern und Jugendlichen
Von 1.000 Neugeborenen leiden ein bis zwei an einer gravierenden Hörschädigung.
In den alten Bundesländern gibt es 7.000 bis 8.000 hochgradig hörgeschädigte Kinder. 80.000 bis 150.000 Kinder sind mittelgradig hörgeschädigt. Drei bis vier Prozent aller Kinder leiden an einer leichtgradigen Hörminderung. Daraus ergibt sich eine Gesamtzahl von weit über 500.000 Kindern mit behandlungsbedürftigen Hörstörungen. Nach Angaben des Deutschen Zentralregisters für kindliche Hörstörungen in Berlin ist das Hörvermögen von rund 80.000 Kindern so hochgradig gestört, dass sie spezielle Sonderschulen besuchen müssen. Kinder mit zentralen Hörstörungen wurden bei all diesen Zahlen nicht berücksichtigt.
Neben den angeborenen Hörschäden treten auch erworbene Hörschäden auf, z. B. durch Lärm. Experten gehen davon aus, dass künftig rund zehn Prozent der Jugendlichen lärmbedingte Hörschäden aufweisen werden. Als Ursache stehen hier die Musikgewohnheiten (zu viel, zu laute Musik) und laute Knalle (Spielzeugpistolen, Silvesterknaller etc.) ganz vorne.
Weitere Infos:
Mehr zu diesem Thema erfahren Sie am Montag, 18. September, beim Info-Treff im Congress Park Hanau. Besuchen Sie den Vortrag von Professor Dr. Jürgen Kießling!

Lärm: ein Abfallprodukt
Was wir hören, ist Schall. Wenn dieser Schall als unangenehm empfunden wird, spricht man von Lärm.
Lärm ist häufig ein Abfallprodukt unserer zivilisierten Gesellschaft: Wir benutzen Maschinen, die fast nie geräuschlos und oft sogar sehr laut sind. So ist nachts an Hauptverkehrsstraßen ein Dauerschallpegel von 65 dB(A) (Dezibel) zu messen. Ab dieser Lautstärke erhöht sich – bei dauernder Belastung – das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Lärm, der uns am Tag oder in der Nacht stört und stresst, kann das Gehör schädigen. Er beeinflusst aber auch unser vegetatives Nervensystem (Durchblutung, Herz-Kreislauf-System, Magen-Darm-Bereich) und kann zu Befindlichkeitsstörungen führen.
Sehr starker Straßenverkehrslärm bringt es am Tag auf 80 Dezibel. Ab einer Lautstärke von 85 Dezibel sind Hörschäden möglich, wenn wir diesem Lärm 40 Stunden pro Woche ausgesetzt sind. Daher ist ab 85 Dezibel am Arbeitsplatz Gehörschutz vorgeschrieben. Wenn der Lärm noch lauter ist, verkürzt sich die zumutbare Zeitspanne für die Ohren. So ist bei 100 Dezibel – das entspricht der Lautstärke eines Presslufthammers auf der anderen Straßenseite – die "zulässige wöchentliche Schallbelastung" bereits nach 80 Minuten erreicht. Danach benötigt das Gehör eine lange Ruhepause, um sich zu erholen.
Nicht alles, was laut ist, wird auch als Lärm empfunden. So ist Motorengedröhne für Rennsportfans keineswegs lästig. Und bei Musik weiß jeder, dass die eigenen Lieblingslieder gerne mal laut gehört werden. Dieser so genannte Freizeitlärm ist besonders gefährlich, da wir ihn als angenehm empfinden, auch wenn er gehörschädigend laut ist.
Weitere Infos:
Mehr zu diesem Thema erfahren Sie am Dienstag bei unseren Vorträgen im Congress Park Hanau.

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